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Das weiße Schloss am Meer

Dwasieden um 1500 “ Twarsyne” genannt ein weitläufiges Gelände am Steilufer zwischen Sassnitz und Mukran liegt 25 bis 40 Meter über Normal-Null und fällt im Süd-Osten steil zur Ostsee ab.

Hier entstand am 28. Februar 1873 die Idee von Adolph von Hansemann ein Schloss zu bauen.

Den eigentlichen Namen erhielten Wald, Schloss und die nähere Umgebung erst durch Adolph von Hansemann selbst. Dwasieden bedeutet “Zwei Seiten” . Die eine Seite des Schlosses zum Wald und Park ausgerichtet, zur anderen in Richtung Ostsee mit der Proraer Wiek.

Nach dem Kauf der Ländereien vom Gutsherren Eduard von Barnekow auf Jasmund beauftragte Hansemann den berühmten Berliner Architekten Friedrich Hitzig, mit dem er sehr gut befreundet war mit der Planung des Schlosses. Der Lehrmeister von Friedrich Hitzig war kein geringerer als der Architekt Karl Friedrich Schinkel.

Die Baustoffbeschaffung für das Schloss war bereits organisiert. Das Gebäude sollte aus französischen Sandstein, schwedischen Granit und Marmor erbaut werden.

Nebenher ließ Hansemann im Mai 1873 die tiefen, lehmigen, zur Herbst- und Frühjahrszeit kaum passierbaren Wege von Sagard über Lancken mit einem Steindamm und an der Seite mit einem Sommerweg befestigen.

Die Bauzeit des Schlosses konnte nicht ganz wie im Plan vorgesehen eingehalten werden. Der Aufwand war wohl doch etwas größer als angenommen. Im Jahre 1876 nahte der Schlossbau dann schließlich immer mehr seiner Vollendung und im Frühjahr 1877 war es soweit fertiggestellt.

Rechtwinklig neben den Schloss wurde nach den Architekten Hitzig und und Hansemanns Plänen 1880 der Marstall erbaut. Er wurde so angelegt, dass Kutschen beim Befahren sich nicht gegenseitig in die Quere kamen.

Der Schlosspark Dwasieden und das Schloss selbst waren zu Hansemanns Zeiten sehr gepflegt. Der Schlossherr hielt sich nicht an geometrisch gebundene Geländegestaltungen. Der Park erfreute den Besucher mit natürlichem Aussehen.

Hansemann verstarb im Oktober 1903 und wurde 77 Jahre. Er wurde in Berlin im Matthäifriedhof im Mausoleum beigesetzt.

Schloss Dwasieden 300

Schloss Dwasieden um 1932

Schloss Dwasieden heute 300

Marstall am Schloss um 2007

Schloss Dwasieden 1 300

Schloss Dwasieden Seitenflügel um 2007

Der finanzielle Druck aus Gründen der Inflation wurde so groß, dass man 1928/1929 vergeblich versuchte das Haus zu verkaufen oder zu vermieten. Ab 1933 wurden Ländereien um das Schloss Dwasieden wie Lancken, Promeusel über einen Treuhänder verkauft. Einzelne Siedlungen entstanden in den nächsten Jahren.

Gert von Oertzen, der Enkel der Hansemanns, verkaufte das Schloss für 200 000 RM an die Stadt Sassnitz. Am 4. Oktober 1935 übernahm die Marine für 175000 RM das Schloss. Es wurde eine Entfernungsmessschule, eine Unterabteilung der Schiffsartillerieschule in Kiel.

Nach dem Krieg wurde das Schloss den Deutschen Behörden übergeben. Die in kommunistischen Führungspositionen befindlichen Vertreter, die das Verbrechen der Nationalsozialisten immer noch zu sühnen bereit waren, konnten sich nicht für das Projekt Dwasieden als Militäraltlast erwärmen. Auch soll nicht ganz ausser Acht gelassen werden, dass alte Adelsbesitztümer und Schlösser der neuen Regierung ein Dorn im Auge gewesen waren. So wurde das Schloss Mitte 1948 von Sprengmeister Bogdan gesprengt .

Auszüge aus dem Buch “Das weiße Schloss am Meer” von Ralf Lindemann